Chancengleichheit

November 11, 2007

Brochure reduced

Im Zuge der Interkulturellen Wochen 2007 in Osnabrück kamen am 12.10.2007 im Haus der Jugend 22 Jugendliche aus 8 verschiedenen Schulen zu einer öffentlichen Diskussion zum Thema Chancengleichheit zusammen.

Graf-Stauffenberg-Gymnasium

Tamara Hischfeld, Aria Massumi. Ufuk Özay

Moeser Realschule

Ahmed Malik, Nasira Aziz, Melanie Rooker, Maria Spät, Julia Page, Luca Treidel

Ratsgymnasium- Außenstelle Eversburg

Amina Mohamed

Agnes-Miegel-Realschule

Sanata Doumbia, Saskia Trzeciak

Erich Maria- Remarque- Realschule

Pelin Alkan, Hasti Kamaneh

Domschule

Christian Lukosch, Theresa Junge, Sarah Blomeyer

Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium

Katarina Razumovic, JoAnn Wegmann, Xana Hollnack, Kawshalya Kamalanathan

Gymnasium in der Wüste

Kawsar Kamal

Im Vorfeld interviewte Ulrike Schmidt von der Neuen Osnabrücker Zeitung die beiden Organisagtorinnen , Anke Fedrowitz und Deike Weckenbrock , und zwei Teilnehmerinnen, Kawshalya Kamalanathan und Kawsar Kamal.

interview-reduced-by-8.jpg

Weil ich schwarz bin
Jugendliche diskutieren über Chancengleichheit in Schule und Ausbildung

„Wir sind ein deutscher Betrieb,“lautete die Absage, als sich Kawshalya Kamalanathan für ein Schulpraktikum bewarb. Dass sie hier geboren ist und einen deutschen Pass hat, spielte keine Rolle.Die dunkle Hautfarbe zeugt von ihrer tamilischen Abstammung. Ihre Eltern kommen aus Sri Lanka.
Die 20-jährige Gymnasiastin ist eine von 20 Jugendlichen, die am morgigen Freitag im Haus der Jugend über „Chancengleichheit in Schule und Ausbildung – utopisch oder machbar?“ diskutieren. „Mit blonden Haaren geht’s leichter,“ sagt Kawsar Kamal zum Thema Chancengleichheit.
Die 17-jährige Deutsche libanesischer Abstammung hat bei der Suche nach einem Schulpraktikum Ähnliches wie Kawshalya erlebt: Auf telefonische Rücksprache sollte sie am nächsten Tag persönlich erscheinen. Nach einem Blick auf die dunkelhaarige Schülerin war der Praktikumsplatz plötzlich vergeben. An ein Missverständnis glaubt sie nicht.
Kleine Stolpersteine und offene Ablehnung – die beiden Schülerinnen haben nach ihren Erzählungen schon alles erlebt.Mit guten Noten wechselte Kawshalya zur damaligen Orientierungsstufe – und stürzte ab:„Zwei Lehrer waren ausländerfeindlich“, erzählt die junge Frau. Sie machten ihr das Leben so schwer, dass sie in der zweijährigen O-Stufenzeit anderthalb Jahre wegen Krankheit fehlte.
„Da habe ich natürlich nur eine Hauptschulempfehlung bekommen.“Doch Kawshalya gab nicht auf:Sie machte den erweiterten Realschulabschluss und bewarb sich nach einem Jahr Berufsschule fürs Gymnasium.Beim ersten wurde sie mit der Bemerkung „Du hast aber gute Noten“ ohne Angabe von Gründen gleich wieder hinauskomplimentiert. „Mir standen die Tränen in den Augen,“berichtet sie. In Begleitung ihres Vaters machte sie am selben Tag einen zweiten Anlauf und wurde ermutigt: „Zeig mir in einem halben Jahr, dass du dich einsetzt.“ Heute besucht sie die 13.Klasse im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium.
Unterstützung erhielt sie vom Verein zur pädagogischen Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien. In der Schülerhilfe holte sie Stoff nach und wird gefördert.An Chancengleichheit mangelt es Kindern mit Migrationshintergrund, weil ihre Eltern ihnen oft nicht helfen können, sagen Kawshalya und Kawsar: „Wen können wir fragen, wenn wir Hausaufgaben machen?“
„Lehrer benoten besser, wenn sie merken, dass Eltern oder Nachhilfe dahinterstecken,“ ergänzt Deike Weckenbrock. Die Leiterin der Schülerhilfe ist gemeinsam mit Anke Fedrowitz,der früheren Fachberaterin für interkulturelles Lernen in Osnabrück, Veranstalterin der Diskussion anlässlich der Interkulturellen Wochen.„Ziel ist es, dass einmal nicht Erwachsene über Jugendliche, sondern Jugendliche selbst aus ihrem Erleben das Thema Chancengleichheit diskutieren,“erläutert Fedrowitz. Von ihren Lehrern wünschen sich die beiden Schülerinnen,dass sie sich überhaupt besser über andere Kulturen informieren. Am Freitag, dem Tag der Diskussion, feiern die Muslime das Ende des Ramadan mit dem Bayramfest. Traditionell geht die ganze Familie am Vormittag in die Moschee. „In den letzten Jahren bin ich stattdessen in die Schule gegangen,“erzählt Kawsar. Wenn sie sich den Tag beurlauben lasse, gäben ihr die Lehrer immer das Gefühl blauzumachen.
Und noch einen Wunsch haben die Gymnasiastinnen: Die Lehrer sollten lernen, ihre Namen auszusprechen, auch wenn sie kompliziert seien. Kawshalya erinnert sich daran, wie früher ihr Name beim Verlesen der Anwesenheit in schöner Regelmäßigkeit ausgelassen wurde: „Ich bin ja nicht zu übersehen, weil ich schwarz bin.“
———————————————————————————————-

Die Diskussionsteilnehmer stellten sich vor – unter den Zuhörern waren Vertreter der im Landtag und/oder Osnabrücker Rat vertretenen Parteien, Lehrkräfte und am Thema interessierte Erwachsene und Jugendliche.

Nach einem kurzen Impulsreferat diskutierten die Jugendlichen mit einander, später auch mit den Zuhörern.

Christine Grewe vom Osnabrücker Friedensbüro und der Student Vellaznim Haziri fassten die wesentlichen Aussagen in einer Tabelle zusammen.

Die Fotos geben einen Einblick in gut zwei Stunden intensiver Diskussion – lebendig, diszipliniert und informativ.


Fotos: Angela von Brill
email: vonbrill@osnanet.de


Kontakt: Anke Fedrowitz
email: anke@ankefedrowitz.de

Short text from NOZ


Aussagen

Tabelle

Fotos

Angela 1 reduced

Angela 3 reduced

angela-8-reduced-25.jpg

Angela 13 reduced 25

Angela 14 reduced 25

angela-15-reduced-25.jpg

Angela 17 reduced 25

Angela 21 reduced 25

Angela 23 reduced 25

Angela 25 reduced 25